Standort Enser Straße

Enser Tor

Enser Tor

Korbach besaß zunächst fünf Stadttore. Zur Altstadt gehörten das Enser Tor, Dalwigker Tor und Tränketor, zur Neustadt das Lengefelder Tor, Berndorfer Tor und Tränketor. Das Tränketor der Neustadt führte nicht nach außen, sondern verband Alt- und Neu- stadt. Nach der Vereinigung wur- de es nicht mehr genutzt und verfiel, so dass es später abge- rissen wurde. Im Mittelalter nann- te man es auch „wüstes Tor“.

 

Als man zwischen 1831 und 1860 die Tore der Stadt abriss, um Platz für den Straßenverkehr zu schaffen, blieb nur ein Rest des Außentores mit Rundturm des Enser Tores erhalten, den der Korbacher Kaufmann Friedrich Wilhelm Müller (1810-1876) erwarb, dessen Gartengrundstück an das Enser Tor angrenzte. Die Familie entstammte einer alten Korbacher Kaufmannsfamilie. Der Turm wurde zum Gartenhaus umfunktioniert, eine Treppe und Terrasse ergänzend angelegt.

Enser Tor

Im Torhäuschen - neben oder auf dem Turm - wohnte der Torwächter, der morgens das Tor öffnete und abends wieder verschloss. Ehemals diente der Turm auch wehrhaften Bürgern als Verteidigungsbastion. Die Tore dienten dazu, den Stadt- verkehr zu kontrollieren. Das Enser Tor wurde als letzter Teil der Stadtmauer 1414 fertig gestellt. Es erhielt seinen Namen, weil die Ausfallstraße nach Ense (heute Nieder-Ense) führte.

 

Nachdem neuere Technologien Stadtbefestigungen nahezu überflüssig gemacht hatten, stellten Stadttore und -mauern eher ein Ärgernis für eine sich ausweitende Stadt dar. Die Anlagen verfielen immer mehr und verursachten erhebliche Unterhaltskosten und Verkehrsprobleme. Nicht selten kam es vor, dass ein Fuhrwerk in den engen Toren stecken blieb.

1831 begann man mit dem Abriss des Tränketores, 1836 folgte das Lengefelder Tor, 1838 das Berndorfer Tor, 1843 das Dalwigker Tor. Im Anschluss begann man mit der Beseitigung des Enser Tores. Als 1858 der Rest entfernt werden sollte, erwarb es dankbarer Weise F. W. Müller. So konnte wenigstens ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten werden.

Enser Tor

Zur Erinnerung an die Vollendung der gemeinsamen Mauer von Alt- und Neustadt wurde ein rechteckiger Wappenstein mit Stadtwappen und der Jahreszahl 1414 eingesetzt. 1995 übernahmen Mitglieder der Schützen- gilde 1377 e.V. die Pflege des Turmes.

 
Enser Tor

© Timon Schmidt / Dr. M. Lilienthal

 

Literatur:

Hans Osterhold: Meine Stadt. Korbacher Bauten erzählen Stadtgeschichte, hrsg. vom Magistrat der Kreisstadt Korbach, 3. Aufl., Korbach 2004.

Ein Rundgang durch die alte Stadt, bearb. von Ursula Wolkers, hrsg. vom Wilhelm Bing Verlag und Magistrat der Stadt Korbach mit Förderung der Sparkassenstiftung Waldeck-Frankenberg, Korbach 1999.

Marie-Luise Lindenlaub: Korbach steckt voller Geschichte(n). Reiseführer in die Vergangenheit einer Stadt, Korbach 2008.